GEMEINSAME STELLUNGNAHME für die Beibehaltung der Vielfalt von Lichtquellen und die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks im Theater

Die Steigerung der Energieeffizienz ist ein wichtiges Anliegen von Theatern und Studios in ganz Europa. Produkte, die die LED-Technologie verwenden, stellen eine wertvolle Ergänzung bestehender Theaterlichtquellen mit vollem Farbspektrum dar.

Umfassende Marktuntersuchungen in ganz Europa zeigen, dass es für die überwiegende Mehrheit der mit Halogenleuchtmitteln ausgestatteten Theaterscheinwerfer keinen gleichwertigen Ersatz gibt. Aktuelle LED-Produkte bilden nicht das volle Spektrum ab und weisen statt eines gleichmäßigen Spektralverlaufs von 380nm (blau) bis 780nm (rot) starke Steigungen und Gefälle auf.

Wenn im Rahmen der Durchsetzung der Verordnungen (gemäß des aktuellen Entwurfs) ab 2020 keine neuen Halogenleuchtmittel (auch nicht von bekannten Typen) mehr am Markt platziert werden dürften, dann müssten laut PLASA mehr als 5 Millionen (>5.000.000) voll funktionsfähige Theaterscheinwerfer entsorgt (und durch neue Geräte ersetzt) werden.

Bei der verbrauchten Energiemenge sind – im realen Theaterbetrieb – keine signifikanten Verbesserungen zu erwarten, da moderne LED-Scheinwerfer (im Gegensatz zu Halogen- Scheinwerfern) einen erhebliche Energieverbrauch im zeitlich deutlich überwiegenden Standby- Betrieb (die Geräte werden in Bereitschaft gehalten um sofort eingeschalten werden zu können) haben. Darüber hinaus weist eine Umfrage an den Londoner Westend-Theatern darauf hin, dass die szenische Technik (Licht, Ton und Bühnenmaschinerie gemeinsam!) nur 6% des gesamten Energieverbrauchs von Theatern ausmacht.

Da es für die überwiegende Mehrheit der Typen keinen gleichwertigen Ersatz gibt und auch keine nennenswerte Energieeinsparung für die Theater erreicht werden, jedoch großen Schaden für die künstlerische Meinungsfreiheit in der Europäischen Union entstehen würde, ersuchen wir die Regulierungsbehörde dringend, die existierende Ausnahme für das Theater, in einer präzisierten Form, in der neuen EcoDesign Verordnung (im Anhang I, 2.) zu erhalten:

„Lichtquellen für die Theater- und Studiobeleuchtung, bei denen, zusätzlich zur Sichtbar- machung einer Szene oder eines Objektes für Menschen, die Spektralverteilung des Lichts spezifischen Erfordernissen genügen muss, eingeschränkt auf Lichtquellen die eine Farbtemperatur von ≥2900K, und einen Lichtstrom von ≥2000lm erreichen.“

Wir, die unterzeichnenden Verbände, unterstützen die EcoDesign-Ziele. Und diese aktualisierte, enge Definition unterstützt die Zielsetzung der Europäischen Kommission Gesetzeslücken zu schließen.

Die unveränderte Umsetzung des aktuellen Entwurfs aber würde die Farbenvielfalt der Theater vergrauen und wäre mit einem Verlust von Buchstaben des (licht-) künstlerischen Alphabets gleichzusetzen. Die signifikant hohe und unerwartete wirtschaftliche Belastung würde zu einem dramatischen Anstieg des Subventionsbedarfs der Häuser führen, und diese, so keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden können, in ihrer Existenz bedrohen. Das kann im schlimmsten Fall zu einem Black Out in der europäischen Theaterlandschaft führen.

siehe auch hier:

 

Förderbescheid für Orchesterprobenraum

Am 9. April 2018 wurde dem Nationaltheater Weimar ein Förderbescheid für den Anbau eines Orchesterprobensaales durch die durch die Staatssekretärin für Kultur und Europa des Freistaates Thüringen, Frau Dr. Babette Winter, überreicht.

Die Staatskapelle Weimar probt derzeit in einem bereits seit mehreren Jahren gekündigten angemieteten Probensaal in einer ehemaligen Turnhalle am Landesverwaltungsamt in Weimar. Nach einem angemessenen Probensaal wird seit mehreren Jahren gesucht. Nach einer Studie zur Standortfindung wurde eine Machbarkeitsstudie „Probensaal Staatskapelle an der Redoute“ erstellt. Mit dem Ausbau wird einerseits die räumliche Situation verbessert, andererseits soll der Standort mit der Probebühne Redoute als Probenzentrum etabliert werden, um Synergieeffekte zu nutzen. Die Probebühne des DNT (Deutsches Nationaltheater Weimar) ist im Bestandsgebäude untergebracht. Mit dem Erweiterungsneubau werden ein Probensaal, Einspielzimmer für die Musiker, Instrumentenlager, Räume für Solisten, Dirigenten und Orchesterwarte geschaffen.

Die gesamte Fördersumme beträgt 5,72 Mio Euro, wovon 79% das Land Thüringen und 21% durch die Stadt Weimar übernommen werden.

v.l.n.r Hasko Weber (GI DNT), Stefan Rabe (Architekt Planungsbüro pbr AG, Büro Jena), Nils Kretschmer (Orchesterdirektor Staatskapelle Weimar), Stefan Wolf (OB Weimar), Dr. Babette Winter (Staatsekretärin für Kultur und Europa).

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Foto: v.l.n.r Hasko Weber (GI DNT), Stefan Rabe (Architekt Planungsbüro pbr AG, Büro Jena), Nils Kretschmer (Orchesterdirektor Staatskapelle Weimar), Stefan Wolf (OB Weimar), Dr. Babette Winter (Staatsekretärin für Kultur und Europa). ©Nationaltheater Weimar.

IGVW veröffentlicht den SQ P5 „Aufstellung und Betrieb nicht ortsfester Bühnen und Bühnenüberdachungen“

Die Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft IGVW veröffentlicht zur Prolight + Sound 2018 den Standard der Qualität in der Veranstaltungswirtschaft SQP5 mit dem Titel „Aufstellung und Betrieb nicht ortsfester Bühnen und Bühnenüberdachungen“. Der SQP5 ist der erste Praxis Standard, der von der IGVW vollständig neu entwickelt wurde. Nachdem der Arbeitskreis Fliegende Bauten der Bauministerkonferenz das Vorhaben der IGVW, einen derartigen Standard zu entwickeln, bereits im Jahre 208 zustimmend zur Kenntnis genommen hatte, begann die Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der vier Gründungsverbände der IGVW im Jahre 2009 mit der Erstellung des SQP5. Aufgrund der Änderungen der Technischen Baubestimmungen der Bundesländer im Jahre 2012 und der daraus resultierenden Unsicherheiten bei der Überführung bestehender Fliegender Bauten der Veranstaltungswirtschaft in den Geltungsbereich des neuen Regelwerkes, verzögerte sich die Erstellung des Standards. Zum Ende des Jahres 2017 wurde die Erstellung des SQ P5 abgeschlossen und nach Evaluierung durch den Fachausschuss für Qualitätsstandards der IGVW vom Gremium der IGVW zur Veröffentlichung freigegeben.

Der SQP5 richtet sich an Unternehmer und Beschäftigte die mit, auf, unter, hinter oder neben Bühnen und Bühnenüberdachungen tätig sind. Der SQP5 erläutert unter anderem die bauaufsichtlichen Anforderungen an Bühnen und Bühnenüberdachungen, gibt praktische Hinweise zur Aufstellung und zum Betrieb, formuliert Empfehlungen zum Verhalten bei Wettereinflüssen und richtet sich insbesondere auch an kleinere, genehmigungs- bzw. verfahrensfreie Bühnen und Bühnenüberdachungen.

Der SQP5 ist weder Gesetz, Vorschrift, Verordnung oder Richtlinie. Der SQ P5 dient als Leitfaden für die Umsetzung der rechtlichen Anforderungen sowie den sicheren und effizienten Betrieb von nicht ortsfesten Bühnen und Bühnenüberdachungen in der Veranstaltungswirtschaft.

Der SQP5 wird am Dienstag, den 10. April 2018, in der Zeit von 11:45 – 13:00h im Zuge der Prolight + Sound Conference, Advanced Forum Ebene 0, Raum Agenda, der Öffentlichkeit vorgestellt.

DiInteressengemeinschafVeranstaltungswirtschafwirvodeVerbändeDTHGEVVCFAMAunVPLTgetragenIhrZielsetzunisesgemeinsabefüdiVeranstaltungswirtschafbedeutsameThemePositiozbeziehesowidiesöffentliczvertreteunBranchenstandardzentwickeln.

weitere Informationen: www.igvw.org

Weltenbauer.Youngsters.Awards 2019 sucht talentierten Branchennachwuchs im Bereich Theater, Film und Veranstaltungstechnik

Weltenbauer.Youngsters.Awards 2019 sucht talentierten Branchennachwuchs im Bereich Theater, Film und Veranstaltungstechnik
Aufgabenthema 2019: Leonardo da Vinci
Preise: 2 x 1.000 EUR, 1 Hotelaufenthalt mit Musicalbesuch in Hamburg und 10 Abonnements der Bühnentechnischen Rundschau ” Bewerbungsfrist endet am 28. Februar 2019

Berlin, 26. März 2018 – Als Maler der Mona Lisa dürfte Leonardo da Vinci wohl jedem bekannt sein. Doch der italienische Künstler war auch Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph. Ein echtes Ausnahmetalent und bis heute Inspiration für Künstler, Theaterschaffende und Ausstellungsmacher.  Auch der Weltenbauer.Youngsters.Awards wird sich im kommenden Jahr mit dem Universalkünstler befassen, dessen Todestag sich 2019 zum 500. Mal jährt. Nach der erfolgreichen Premiere auf der  Stage|Set|Scenery im vergangenen Jahr vergeben die Deutsche Theatertechnische Gesellschaft (DTHG) und die Messe Berlin 2019 zum zweiten Mal die Weltenbauer.Youngsters.Awards als Preis für den Branchennachwuchs. Wesko Rohde, Vorstandsvorsitzender der DTHG:

„Unsere Theater und Veranstaltungsorte brauchen innovative und leidenschaftliche Kreative auf und hinter der Bühne, um großartige Events zu schaffen, die das Publikum begeistern! Mit den Weltenbauer.Youngsters.Awards möchten wir als DTHG diesen Talenten unserer  sich stetig entwickelnden Berufe die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren, entdeckt und gefördert zu werden.“

 

Ob Bühnenbild, Maske und Kostüm oder Videoarbeiten – gesucht werden kreative Ideen von Studierenden und Auszubildenden im Bereich Theater, Film und Veranstaltungstechnik rund um das Thema Leonardo da Vinci. Aus den eingereichten Beiträgen wählt eine Fachjury die zehn besten Arbeiten aus, die auf der Stage|Set|Scenery 2019 präsentiert werden. Die Jury, bestehend aus den Mitgliedern des DTHG-Vorstands Olaf Grambow, Arved Hammerstädt und Wesko Rohde, der Stage|Set|Scenery-Projektleitung der Messe Berlin sowie Karin Winkelsesser von der Bühnentechnischen Rundschau, vergibt  zwei Preise. Ein weiterer Preis wird durch das Publikum der Stage|Set|Scenery vergeben. Zu gewinnen gibt es zweimal ein Preisgeld in Höhe von EUR 1.000, gestiftet von der Messe Berlin GmbH, einen Hotelaufenthalt mit Musicalbesuch in Hamburg im Wert von EUR 500,00, gestiftet von der Firma A.Haussmann GmbH sowie 10 Jahresabonnements der Bühnentechnischen Rundschau gestiftet von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH. Juliane Trempler, Projektleitung der Stage|Set|Scenery:

„Mit diesem Preis möchten wir dem Nachwuchs der Branche die Möglichkeit geben, ihr Können einem breiten internationalen Fachpublikum auf der Stage|Set|Scenery 2019 vorzustellen.“

 

Interessierte Nachwuchstalente können ihre Wettbewerbsbeiträge in digitaler Form über die Website www.weltenbauer.global  bis zum 28. Februar 2019 einreichen.  Die Preisverleihung findet am Dienstag, dem 18. Juni 2019 ab 18.30 Uhr in Berlin im Rahmen der Stage|Set|Scenery auf der Safety in Action-Bühne in Halle 22 statt.

Film- und Fotomaterial zu den Weltenbauer.Youngsters.Awards 2017 finden Sie hier
Weitere Informationen zur Stage|Set|Scenery 2019 finden Sie unter www.stage-set-scenery.de.
Die Stage|Set|Scenery im Überblick:
Die Stage|Set|Scenery ist die führende internationale Fachmesse und Kongress für Theater-, Film- und Veranstaltungstechnik mit den Schwerpunkten Bühnenmaschinerie und Steuerung, Architektur und Fachplanung, Licht, Akustik, Ton, Video- und Medientechnik, Studiotechnologie, Events, Museums- und Ausstellungstechnik, Ausstattung und Dekoration, Maske, Kostüm und Sicherheitstechnik. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft (DTHG) durchgeführt, die auch für die in die Messe integrierte International Stage Technology Conference verantwortlich zeichnet. Die Stage|Set|Scenery findet alle 2 Jahre im Juni auf dem Berliner Messegelände statt. Wenn Sie zukünftig keine weiteren Pressemitteilungen der Stage|Set|Scenery erhalten wollen, senden Sie uns bitte eine E-Mail an stage-set-scenery@messe-berlin.de.
Pressekontakt:
Messe Berlin GmbH
Emanuel Höger
Pressesprecher
und Leiter Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
Corporate Communication
Unternehmensgruppe

GEMEINSAME STELLUNGNAHME: Forderung nach einem realistischen Zeitplan für den Übergang zu neuen Beleuchtungstechnologien

Die Erhöhung der Anforderungen an die Energieeffizienz von Produkten mit LED-Technologie ist nicht nur für den Verbraucher, sondern auch für die Umwelt, die Gesellschaft und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie von Vorteil.

Derzeit laufen drei Gesetzesinitiativen, die sich auf Beleuchtungsprodukte auswirken (Einzelheiten siehe Anhang II), wobei wesentliche Änderungen gegenüber den geltenden Rechtsvorschriften zu erwarten sind:

  • Ökodesign-Anforderungen an Lichtquellen
  • Anforderungen an die Energiekennzeichnung von Lichtquellen
  • Anträge auf Verlängerung der RoHS-Freistellung

Wir, die unterzeichnenden Verbände, unterstützen die Ziele Ökodesign, Energiekennzeichnung und RoHS.
Wir fordern die Regulierungsbehörden auf, einen pragmatischen und realistischen Zeitplan für den Übergang zur Substitution von Lichttechnologien und -produkten zu verabschieden. Dieser Zeitplan muss die festgelegten Wartungs- und Reparaturzyklen der Endnutzer dieser Beleuchtungsprodukte einhalten.

Die Märkte brauchen genügend Zeit, um alternative Beleuchtungsprodukte zu verstehen und zu bewerten und ihre Budgets und Austauschzyklen anzupassen. Ein vorzeitiger Ausstieg kann zu unnötigem Abfall und Kosten führen.

Die Übergangszeit muss es den betroffenen Unternehmen ermöglichen, neue Produktionsstätten zu errichten, Arbeitnehmer auszubilden und ihnen den Übergang von einem beruflichen Umfeld in ein anderes zu erleichtern (siehe Anhang I).

Wo es keine Ersatzprodukte und -technologien gibt, fordern wir die Regulierungsbehörden auf, weiterhin Produkte mit besonderer Zweckbestimmung auf dem EU-Markt zuzulassen, indem sie diese von den Ökodesign-Vorschriften ausnehmen und die Ausnahmen gemäß RoHS verlängern.

Im Interesse einer soliden und ausgewogenen Folgenabschätzung fordern wir die Europäische Kommission auf, die Beiträge aller Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette (von den Lichtherstellern über die Installateure bis hin zu den Endverbrauchern) und im Rahmen der beiden Gesetzgebungsverfahren (Konsultationen im Rahmen von RoHS und Eco-Design) zu berücksichtigen.

Joint Statement – Call for a realistic timetable for new light technologies – 20180327

ITI-Präsident Lux: „Theater ringt in vielen Ländern um das Überleben“ – Fünf Weltregionen – fünf Botschaften zum Welttheatertag 2018

“In vielen Ländern der Erde ist Theater eine Kunstgattung, die am Rande des Existenzminimums um ihr Überleben ringt, in vielen Ländern ist es aber auch ein Weg unbequeme Wahrheiten auszusprechen und sich politisch zu wehren.“

Mit diesen Worten hat der Präsident des deutschen ITI-Zentrums, Joachim Lux, auf die besondere Bedeutung des Welttheater-Tages hingewiesen. Gerade in Europa erinnere der Tag daran, dass „Kultur und Theater ein hohes verteidigenswertes Gut“ seien, sagte der ITI-Präsident heute im Hinblick auf den diesjährigen Welttheater-Tag am Dienstag kommender Woche.

Als globale Initiative wird der Welttheater-Tag seit 1961 am 27. März begangen, dem traditionellen alljährlichen Eröffnungstag des Festivals “Theater der Nationen” in Paris. Seitdem sind es alljährlich international renommierte Theaterleute, die zu diesem Anlass Botschaften verbreiten, in denen sie sich mit Bedeutung und Wirkung der Bühnenkunst im gesellschaftlichen Kontext auseinandersetzen.

Anlässlich seines 70jährigen Bestehens sind es 2018 fünf Autor*innen, mit dem der Weltverband des Internationalen Theaterinstituts in besonderer Weise den Kulturen übergreifenden und verbindenden Charakter unterstreicht. Die diesjährigen Botschafter*Innen sind Werewere Liking (Elfenbeinküste), Maya Zbib (Libanon), Ram Gopal Bajaj (Indien), Simon McBurney (Großbritannien) und Sabina Berman (Mexiko), die ihre Wurzeln in Afrika, in den Arabischen Staaten, in der Region Asien-Pazifik, in Europa sowie in Süd-, Mittel- und Nord-Amerika haben.

RAM GOPAL BAJAJ, INDIEN

Nach allen evolutionären Erzählungen wissen wir nur eines ganz genau: dass alle Lebensformen danach streben, bis in alle Ewigkeit zu überleben. Wenn irgend möglich, versucht das Leben, Zeit und Raum zu durchdringen, um Unsterblichkeit zu erlangen. Dabei neigen die Lebewesen auch dazu, sich selbst zu verstümmeln und auszuradieren. Wie auch immer. Hier wollen wir unsere Überlegungen auf das Überleben der Menschheit und ihre Entwicklung vom jagenden Höhlenmenschen der Steinzeit bis in unser Weltraumzeitalter beschränken. Sind wir heute achtsamer? Feinfühliger? Freudvoller? Liebevoller im Umgang mit der Natur, der wir entspringen?
Seit unseren Anfängen in der Steinzeit haben die darstellenden Künste (Tanz, Musik, Theater) das Instrument der Sprache, bestehend aus Vokalen und Konsonanten, entwickelt. Vokale drücken im Wesentlichen Gefühle und Emotionen aus, und Konsonanten übermitteln Form und Gedanke/Wissen. Daraus sind die Mathematik, Geometrie, Waffen und jüngst die Computer hervorgegangen. In dieser Evolution der Sprache gibt es kein zurück. Die Erde selbst wird nicht überleben, wenn sich die darstellenden Künste und Wissensdisziplinen (Technologie eingeschlossen) nicht vom Alltäglichen, von Wut, Gier und Übel befreien.
Die Massenmedien, Wissenschaft und Technologie haben uns dämonische Kräfte verliehen. Also nicht das Theater ist in der Krise, sondern die Inhalte, die Aussagen und Anliegen. Wir müssen den Menschen dazu anhalten, den Planeten Erde, und damit das Theater zu retten. Kinder müssen bereits in der Grundschule an Schauspiel und Bühnenkunst herangeführt werden, sodass eine Generation heranwächst, die achtsamer und gerechter mit dem Leben und der Natur umgeht. Sodass die Errungenschaften der Sprache dieser Erde und anderen Planet weniger Schaden zufügen. Zudem wächst die Bedeutung des Theaters für die Erhaltung des Lebens selbst. Hierzu muss es Darsteller und Publikum in dieser kosmischen Ära der Gemeinschaft gegenseitig bestärken, anstatt zu bedrohen.
Ein Hoch auf das Theater, das diesen Anspruch in Stadt und Land allmählich umzusetzen weiß: „Mit Leib, Sprache und Mitgefühl gemeinsam für die Bildung der kommenden Generationen.“

MAYA ZBIB, LIBANON

Es ist ein Moment der Verbundenheit, eine nicht wiederholbare Begegnung, die in keiner anderen weltlichen Tätigkeit existiert. Nichts mehr als eine Gruppe Menschen, die sich entscheiden, zu einer bestimmten Zeit, an einem Ort, für ein gemeinsames Erlebnis zusammenzukommen. Es lädt Individuen dazu ein, zu einer Gemeinschaft zu werden, Ideen zu teilen und Wege zu finden, die Last notwendigen Handelns zu teilen… langsam zu ihrer menschlichen Verbundenheit zurückzufinden und nicht die Unterschiede zu betonen, sondern Gemeinsamkeiten zu finden. Es ist der Ort, an dem besondere Geschichten Universalität erlangen. Hierin liegt die Magie des Theaters – dort, wo Repräsentation ihren archaischen Charakter zurückgewinnt.
In einer Zeit, wo überall in der Welt zügellose Angst vor dem Anderen, Isolation und Einsamkeit herrschen, wird das gemeinsame, hautnahe Sein im Hier und Jetzt zu einem Akt der Liebe. Die Entscheidung, sich vom Streben nach unmittelbarer Befriedigung und eigenen Ansprüchen in unseren von Konsum und Beschleunigung geprägten Gesellschaften frei zu machen, die Geschwindigkeit zu drosseln, zu kontemplieren und gemeinsam zu reflektieren, wird zu einer politischen Handlung, einem Akt der Großzügigkeit.
Wie können wir unsere Zukunft in einer Welt, die nach dem Niedergang der großen Ideologien Jahrzehnt für Jahrzehnt das Scheitern ihrer Ordnung beweist, neu erfinden? Wo Sicherheit und Bequemlichkeit zur größten Sorge und zur Priorität in den vorherrschenden Diskursen geworden sind, sind wir da noch bereit zu unbequemen Gesprächen? Würden wir unsicheres Terrain betreten, ohne den Verlust unserer Privilegien zu fürchten?
Wo schnelle Informationen wichtiger sind als Wissen, Slogans wertvoller als Worte und das Bild eines Leichnams mehr verehrt wird als der Körper eines echten Menschen, da brauchen wir das Theater, um uns daran zu erinnern, dass wir aus Fleisch und Blut sind, und unser Körper Gewicht hat; um all unsere Sinne zu wecken und uns zu ermahnen, dass wir nicht nur mit den Augen allein aufnehmen. Theater ist dazu da, dem Wort seine Kraft und Bedeutung zurückzugeben, und die Diskurse von der Politik zurückzuholen, um sie an ihren rechtmäßigen Platz zu bringen… zurück in die Arena der Ideen und Debatten, dem Ort kollektiver Vision.
Durch die Kraft des Geschichtenerzählens und der Imagination lernen wir vom Theater, einander und die Welt in einem neuem Licht zu sehen, denn inmitten überwältigender Ignoranz und Intoleranz öffnet es einen Raum für gemeinsames Nachdenken. In einer Zeit, in der sich Fremdenfeindlichkeit, Hassreden und Phänomene weißer Vorherrschaft mühelos einen Weg zurück auf die Bildfläche bahnen, nachdem Millionen von Menschen weltweit unter Mühen und Opfern dafür gekämpft haben, sie zu beschämen und in Verruf zu bringen… Einer Zeit, in der Jugendliche erschossen werden oder im Gefängnis landen, weil sie sich Ungerechtigkeit und Apartheid widersetzen… Einer Zeit, in der Wahnwitzige und Rechtsextremisten einige der bedeutendsten Länder der „ersten Welt“ regieren… Einer Zeit, in der sich das virtuelle Spiel mächtiger Kind-Männer zu einem Atomkrieg auszuwachsen droht… Einer Zeit, in der Mobilität nur wenigen vorbehalten ist, während Flüchtende bei dem Versuch, die hohen Mauern eines illusionären Traums zu überwinden, im Meer ertrinken, und immer neue und teurere Mauern gebaut werden… Wo sollen wir unsere Welt hinterfragen, wenn fast alle Medien zum Ausverkauf stehen? Wo sollen wir unsere conditio humana überdenken und eine neue Weltordnung entwerfen, wenn nicht in der Intimität des Theaters – gemeinschaftlich, mit Liebe und Mitgefühl – aber auch durch die konstruktive Konfrontation mit Intelligenz, Resilienz und Widerstandskraft?
Ich komme aus der arabischen Welt und könnte viel von den Schwierigkeiten erzählen, mit denen Künstler*innen bei ihrer Arbeit zu kämpfen haben. Doch die Theatermacher*innen meiner Generation sehen es als Privileg an, keine unsichtbaren, sondern sichtbare Mauern zu bekämpfen. Dadurch haben wir gelernt, aus dem Bestehenden heraus Neues zu schaffen, und Zusammenarbeit und Einfallsreichtum bis an die Grenzen auszureizen: Theatermachen in Kellern, auf Dächern, in Wohnzimmern, in schmalen Gassen und auf den Straßen, und in Städten, Dörfern, Flüchtlingslagern irgendwie ein Publikum finden. Wir mussten bei null anfangen und Wege finden, der Zensur zu entgehen, und dabei trotzdem Grenzen überschreiten und Tabus brechen – das war unser Vorteil. In einer Zeit, wo es weniger Subventionen gibt als je zuvor und politische Korrektheit zum neuem Zensurorgan wird, werden Theatermacher auf der ganzen Welt mit diesen Mauern konfrontiert.
Und so kommt der internationalen Theater-Gemeinschaft im Kampf gegen diese immer zahlreicher werdenden, greifbaren und nicht greifbaren Mauern mehr als je zuvor eine immense Bedeutung zu. Es gilt, mutig und spielerisch neue soziale und politische Strukturen zu erfinden; unseren Schwächen ins Auge zu sehen und Verantwortung zu übernehmen für eine Welt, die wir gemeinsam gestalten. Als Theatermacher mit globaler Vision folgen wir weder einer Ideologie noch einem Glaubenssystem. Was uns verbindet, ist die unermüdliche Suche nach Wahrheit in all ihren Formen, das ständige Hinterfragen des Status Quo, die Infragestellung eines Systems repressiver Macht und zu guter Letzt, unsere menschliche Integrität.
Wir sind viele, wir fürchten nichts und wir sind da und wir bleiben!

SIMON MCBURNEY, VEREINIGTES KÖNIGREICH

Eine halbe Meile vor der Küste der Kyrenaika im Norden Libyens befindet sich eine riesige Felshöhle. 80 Meter breit und 20 hoch. Im hiesigen Dialekt wird es Haua Fteah genannt. Mitte 1951 wurde mittels Kohlenstoffdatierung nachgewiesen, dass der Ort in den letzten 100.000 Jahren ununterbrochen von Menschen bewohnt war. Unter den Ausgrabungsgegenständen befindet sich eine Knochenflöte, deren Alter auf 40- bis 70.000 Jahre geschätzt wird. Als kleiner Junge fragte ich meinen Vater, als ich davon erfuhr: „Hatten die damals Musik?“

Er lächelte mich an. „Wie alle menschlichen Gemeinschaften.“
Er war ein in den USA geborener Prähistoriker und der erste, der am Haua Fteah in der Kyrenaika Grabungen unternahm.
Ich fühle mich geehrt und glücklich, Europa am diesjährigen Welttheatertag zu repräsentieren.
Im Jahr 1963, als die Bedrohung durch einen Atomkrieg die Welt lähmte, schrieb mein Vorgänger, der große Arthur Miller: „Wenn man in einer Zeit schreiben soll, in der die Diplomatie und Politik so furchtbar machtlos sind, muss die zart aber oft lang wirkende Kunst die Bürde tragen, die menschliche Gemeinschaft zusammenzuhalten.“
Die Bedeutung des Wortes Drama geht auf das griechische Wort „dran“ zurück: „handeln, etwas tun“, und das Wort Theater stammt vom griechischen „Theatron“ – wörtlich: „Ort, von dem man zuschaut“. Ein Ort, an dem wir nicht nur zuschauen, sondern sehen, empfangen, verstehen. Vor 2.400 Jahren entwarf Polyklet der Jüngste das große Theater von Epidauros. Es fasst bis zu 14.000 Menschen und die verblüffende Akustik dieses Freilufttheaters grenzt an ein Wunder. Das Geräusch eines Streichholzes, das in der Mitte der Bühne entzündet wird, kann man auf allen 14.000 Sitzen hören. Wie in griechischen Theatern konnte das Publikum nicht nur die Darsteller auf der Bühne, sondern auch die Landschaft dahinter sehen. So verschmelzen nicht nur die verschiedenen Orte, wie die Gemeinschaft, das Theater und die natürliche Umgebung, sondern auch die verschiedenen Zeiten. Das Schauspiel ließ die alten Mythen in der Gegenwart auferstehen, und der Blick über die Bühne hinaus offenbarte unsere fernste Zukunft: Die Natur.
Eine der bemerkenswerten Offenbarungen von Shakespeares Globe Theatre in London betrifft die Sicht. Sie betrifft das Licht. Bühne und Zuschauerraum sind gleich hell erleuchtet. Darsteller und Publikum können einander sehen. Immer. Überall, wo man hinschaut, sind Menschen. So werden wir daran erinnert, dass die großen Monologe etwa von Hamlet oder Macbeth nicht nur private Meditationen sind, sondern öffentliche Debatten.
Wir leben in einer Zeit, in der es schwer ist, klar zu sehen. Fiktion ist allgegenwärtig, und das mehr als jemals zuvor in der Geschichte und Urgeschichte. Jede „Tatsache“ kann angezweifelt werden und jede Anekdote kann sich uns als Wahrheit präsentieren. Eine Fiktion ist in unserer Umgebung jedoch besonders präsent. Es ist jene Fiktion, die uns spaltet. Von der Wahrheit fernhält. Und voneinander. Sodass wir getrennt sind. Völker von Völkern. Frauen von Männern. Menschen von der Natur.
Doch wir leben nicht nur in einer Zeit der Spaltung und Fragmentierung, sondern auch in einer Zeit immenser Bewegung. Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte waren die Menschen so in Bewegung: vielfach auf der Flucht; laufend, schwimmend, wenn es sein muss, migrierend; überall auf der Welt. Und das ist erst der Anfang. Wie wir wissen, besteht die Antwort darauf im Schließen der Grenzen. Im Bauen von Mauern. Ausschluss. Isolation. Wir leben in einer Welt der Tyrannei, in der Gleichgültigkeit die allgemeine Währung und Hoffnung Schmuggelware ist. Und das Kontrollieren von Raum und Zeit ist Teil dieser Tyrannei. Die Zeit, in der wir leben, scheut die Gegenwart. Sie konzentriert sich auf die jüngste Vergangenheit und die nahe Zukunft. Dies hier habe ich nicht. Das da werde ich kaufen.
Und wenn ich es gekauft habe, brauche ich das nächste… Ding. Die tiefe Vergangenheit ist ausgelöscht. Die Zukunft ist ohne Belang.
Viele sagen, das Theater wird oder kann nichts an all dem ändern. Doch das Theater wird nicht verschwinden. Denn Theater ist ein Ort, um nicht zu sagen, ein Fluchtort. Wo Menschen zusammenkommen und sofort eine Gemeinschaft bilden. Wie wir es immer getan haben. Alle Theater haben die Größe erster menschlicher Gemeinschaften: zwischen 50 und 14.000 Seelen – von der Karawane eines Nomadenvolks bis zu einem Drittel des alten Athen.
Und weil Theater allein in der Gegenwart existiert, stellt es diese verheerende Vision von der Zeit in Frage. Immer ist der gegenwärtige Moment Gegenstand des Theaters. Die Konstruktion seiner Bedeutung ist das gemeinsame Werk von Darsteller und Publikum. Nicht nur hier, sondern jetzt. Ohne das Werk der Darsteller wäre das Publikum nicht fähig zu glauben. Ohne den Glauben des Publikums jedoch wäre die Darbietung unvollständig. Wir lachen im selben Moment. Wir sind ergriffen. Leise stockt uns der Atem, sind wir geschockt. Und in diesem Moment entdecken wir durch das Theater die tiefste aller Wahrheiten: dass das, was wir für die privateste Grenze zwischen uns hielten, bildet die Grenze unseres eigenen, individuellen Bewusstseins, das gleichzeitig grenzenlos ist. Es ist etwas, das wir teilen.
Und sie können uns nicht stoppen. Jeden Abend treten wir erneut auf. Jeden Abend kommen Darsteller und Publikum aufs Neue zusammen. Und das gleiche Drama wird neu inszeniert. Denn, wie der Autor John Berger sagte: „Die rituelle Wiederkehr ist im Wesen des Theaters fest verankert.“ Darum war es seit jeher die Kunst der Enteigneten und Besitzlosen, und das sind wir – angesichts der Zerstörung unserer Erde – letztlich alle. Wo immer Darsteller und Publikum zusammenkommen, da werden Geschichten inszeniert, die nirgendwo anders erzählt werden können – sei es in Opern, Stadttheatern oder Lagern, in denen Geflüchtete und Migranten Zuflucht suchen, im Norden Libyens und überall auf der Welt. Dieses Reenactment wird uns auf ewig verbinden.
Und wären wir in Epidauros, so könnten wir aufschauen und sehen, wie wir all das mit einer ausgedehnten Landschaft teilen. Wir sind immer Teil der Natur und können ihr ebenso wenig entkommen, wie diesem Planeten. Wären wir im Globe Theatre, so würden wir sehen, dass uns die scheinbar privaten Fragen alle angehen. Und wenn wir die 40.000 Jahre alte Kyrenaika-Flöte in den Händen halten könnten, so würden wir verstehen, dass Vergangenheit und Gegenwart hier untrennbar vereint sind, und dass das Band der menschlichen Gemeinschaft von Tyrannen und Demagogen nie gebrochen werden kann.

SABINA BERMAN, MEXIKO

Stellen wir uns vor
Ein Stamm jagt Vögel, er bewirft sie mit kleinen Steinchen. Da taucht ein riesiges Mammut auf und BRÜLLT, zugleich BRÜLLT ein kleines Menschlein genau wie das Mammut. Dann rennen alle …
Jenes Mammutgebrüll, hervorgestoßen von einer Frau – ich stelle mir vor, es handelt sich um eine Frau – ist der Beginn dessen, was unsere Spezies ausmacht. Eine Spezies die dazu fähig ist, etwas nachzuahmen, was sie NICHT ist. Eine Spezies befähigt zur Darstellung des Anderen.
Überspringen wir zehn, hundert oder tausend Jahre. Der Stamm hat gelernt, andere Wesen nachzuahmen und in der Tiefe einer Höhle, im flackernden Licht des Lagerfeuers die morgendliche Jagd darzustellen. Vier Männer sind das Mammut, drei Frauen sind der Fluss, Männer und Frauen sind Vögel, Bäume, Wolken. So fängt der Stamm mit der Gabe des Theaterspielens die Vergangenheit ein. Und, noch erstaunlicher: So erfindet der Stamm eine mögliche Zukunft; er entwirft verschiedene Möglichkeiten, den Feind des Stammes, das Mammut, zu besiegen.
Aus Brüllen, Pfeifen, Murmeln – den Lautmalereien dieser Urform des Theaters – wird verbale Sprache. Aus gesprochener wird geschriebene Sprache. Auf einem anderen Weg wird Theater zum Ritual und dann zum Kino. In den Samenkörnern jeder dieser Formen steckt immer noch das Theater. Es ist die einfachste, die lebendigste Form der Darstellung. Je einfacher, je intimer Theater ist, desto mehr ist es verknüpft mit der erstaunlichsten menschlichen Begabung: der Fähigkeit den Anderen darzustellen.
Heute feiern wir in allen Theatern der Welt die ruhmreiche menschliche Fähigkeit des Theaterspielens: die Darstellung und Erfassung unserer Vergangenheit, um diese zu verstehen – oder auch das Erfinden einer möglichen Zukunft für den Stamm, um freier, um glücklicher zu werden.
Ich spreche selbstverständlich von Theaterstücken, die wirklich wichtig sind und über reine Unterhaltung hinausgehen. Diese wichtigen Theaterstücke habe heute dasselbe Ziel wie ihre ältesten Vorläufer: mittels der Gabe der Darstellung die zeitgenössischen Feinde des Stammesglückes zu besiegen.
Welche Mammuts muss das Theater des Stammes heute besiegen?
Ich behaupte, das größte Mammut ist die Entfremdung der menschlichen Herzen. Der Verlust unserer Fähigkeit, mit den Anderen zu fühlen: Mitleid zu empfinden. Und unsere Unfähigkeit mit dem nichtmenschlichen Anderen zu fühlen: der Natur.
Was für ein Paradox. Heute, am äußersten Ende des Humanismus angelangt – im Zeitalter des Anthropozän, dem Zeitalter, in dem das Menschliche die natürliche Kraft ist, die den Planeten am stärksten umgestaltet hat und dies noch immer tut – ist die Sendung des Theaters das genaue Gegenteil dessen, was den Stamm in der Tiefe der Höhle ursprünglich zusammenbrachte: heute müssen wir unsere Verbindung mit der Natur retten.
Mehr als die Literatur, mehr als der Film ist das Theater – das die Gegenwart von Menschen vor anderen Menschen verlangt – wunderbar für die Aufgabe geeignet, uns davor zu bewahren, zu Algorithmen zu werden. Zu reinen Abstraktionen.
Nehmen wir dem Theater alles Überflüssige weg. Ziehen wir es nackt aus. Denn je einfacher das Theater ist, desto eher ist es imstande uns an das einzige Unleugbare zu erinnern: wir sind, während wir in der Zeit sind, wir sind, während wir aus Fleisch und Blut sind, während wir ein Herz haben, das in unserer Brust schlägt. Wir sind hier und jetzt, nur hier und jetzt.
Es lebe das Theater. Die älteste Kunst. Die gegenwärtigste Kunst. Die erstaunlichste Kunst. Es lebe das Theater.

WEREWERE LIKING, ELFENBEINKÜSTE

Eines Tags

Fasst ein Mensch den Entschluss, sich vor einem Spiegel (einem Publikum) Fragen zu stellen
Sich Antworten auszudenken, vor demselben Spiegel (seinem Publikum)
Sich zu kritisieren, sich über die eigenen Fragen und Antworten lustig zu machen
Darüber zu lachen oder zu weinen, was soll’s, aber am Ende
Seinen Spiegel (sein Publikum) zu grüßen und zu segnen.
Dass der ihm einen solchen Augenblick des Atemholens oder Verdrusses vergönnte.

Er verbeugt sich und grüßt ihn, um ihm Dankbarkeit und Respekt zu bezeugen.
Im Grunde seines Herzens suchte er nach Frieden,
Frieden mit sich selbst und mit seinem Spiegel.
Er spielte Theater.
An jenem Tag sprach er…
Seine Schwächen verachtend, seine Paradoxien und Verzerrungen
Mit seiner Mimik, seinen Verrenkungen die Schäbigkeiten geißelnd
Die seine Menschlichkeit verhunzten
Schurkereien welche Katastrophen zeitigten
Er sprach zu sich selbst…
Er bewunderte, den Schwung mit dem er über sich hinauswuchs,
Sein Streben nach Größe, seine Sehnsucht nach Schönheit,
Sein Trachten nach einem besseren Leben, einer besseren Welt,
all dies gebaut mit den eigenen Gedanken,
geschmiedet mit eigener Hand

Wenn er es wollte, von sich und zu sich im Spiegel, sagt er sich,
Wenn er und der Spiegel es teilten, danach zu verlangen …
Aber er weiß, es war nur gespielt
Lächerlich nur, bestimmt Illusion
Aber gewiss auch geistiges Handeln,
Aufbau, Wiedererschaffung der Welt
Er spielte Theater.
Selbst wenn er all seine Hoffnungen torpedierte
Mit Worten und Gesten der Anklage
Ließ er nicht davon ab, glauben zu machen,
Dass alles sich an einem einzigen Abend vollziehe
Mit seinen verrückten Blicken
Seinen sanften Worten
Seinem schalkhaften Lächeln
Seinem köstlichen Humor
Mit seinen Worten, die, ob sie verwunden oder besänftigen
Eine Chirurgie des Wunders vollziehen.
Ja, er spielte Theater.

Und deshalb machen wir in Afrika, im Allgemeinen
Und besonders in seinem schwarzen Teil,
Dem Teil der Kamita, aus dem ich stamme,
Uns über alles lustig, sogar über uns selbst
Über alles lachen wir, auch wenn wir trauern und weinen
Wir geben dem Boden Schläge, wenn er uns enttäuscht
Mit dem Gbégbé oder dem Bikouts
Wir schnitzen schreckliche Masken,
Die Glaé, die Wabéle oder die Poniougo
Um den unerbittlichen Prinzipien Gestalt zu verleihen,
Die uns die Kreisläufe und Zeiten auferlegen,
Und Marionetten, die schließlich ihre Schöpfer darstellen
Und ihre Strippenzieher unterwerfen.
Wir ersinnen Riten, in denen das gesprochene Wort zum Gesang anschwillt
Zum rhythmischen Atem
Und sich aufschwingt, das Heilige zu erobern
Tänze bewirkend wie Trancen.
Zaubergesänge, Rufe zur Frömmigkeit
Aber auch und besonders schallendes Lachen
Um die Freude am Leben
Die weder Jahrhunderte der Kolonisierung,
Des Rassismus, der Diskriminierung
Noch unaufhörliche Zeiten unsäglicher Ausschreitungen
Haben ersticken und unsere Seele ausreißen können,
Die Seele des Vaters und der Mutter der Menschheit
In Afrika, wie überall auf der Welt:
Wir spielen Theater.

In diesem besonderen, dem ITI gewidmeten Jahr
Bin ich glücklich und geehrt
Unseren Kontinent zu vertreten
Und bringe seine Friedensbotschaft mit,
Die Friedensbotschaft des Theaters.
Denn dieser Kontinent, von dem man vor nicht allzu langer Zeit sagte,
Dass die Welt ohne Not auf ihn verzichten könne, und ohne dass man sein Fehlen verspürte,
Dieser Kontinent wird wieder anerkannt in seiner vorrangigen Rolle
Als Vater und Mutter der Menschheit.
Hierher strömt die ganze Welt,
Denn ein jeder hofft stets darauf, Frieden zu finden,

In den Armen seiner Eltern.
In diesem Sinne ruft unser Theater mehr als je zuvor,
Alle Menschen und ganz besonders jene,
die das Denken, die Worte und das Handeln des Theaters teilen,
Dazu auf, sich selbst wie auch die anderen zu achten,
Und den besten Werten der Menschlichkeit den Vorrang zu geben,
In der Hoffnung, in einem jeden eine größere Menschlichkeit zurückzuerobern,
eine Menschlichkeit, die Intelligenz und Verstehen wieder zutage treten lässt,
Mit einem der wirksamsten Anteile menschlicher Kultur,
einem der alle Grenzen auslöscht, dem Theater.
Einem der großherzigsten Teile, denn er spricht alle Sprachen,
Steckt in allen Kulturen, spiegelt alle Ideale wider,
Ist Ausdruck einer tiefen Einheit aller Menschen
Die durch alle Konfrontationen hindurch
Danach streben, einander besser kennenzulernen

Und zu lieben, in Frieden, in Ruhe
Wenn die Darstellung zur Teilnahme wird
Und uns an die Pflicht zum Handeln erinnert,
Die die Macht des Theaters uns auferlegt,

Die Macht alle Menschen zum Lachen und Weinen zu bringen,
Unwissen zu verringern und Wissen zu mehren
Damit der Mensch zum größten Reichtum des Menschen wird.
Unser Theater möchte all diese humanistischen Prinzipien, all diese hohen Tugenden
all diese Ideen von Frieden und Völkerfreundschaft,

Die die UNESCO verkündet,
Von Grund auf prüfen und neu bewerten
Um sie in den Szenen zu verkörpern, die wir heute schaffen,
Damit diese Ideen, diese Prinzipien wieder wesentliche Notwendigkeit werden,
Zunächst der Theaterschaffenden selbst,
Die sie dann besser mit ihrem Publikum teilen können.
Deshalb sagt unser letztes Theaterstück: „Der Gottbaum“ folgendes,
So wie der Kindack7 Ngo Biyong Bi Kuban8, unser aller Meister, es empfiehlt:
„Gott ist wie ein dicker Baum,
von dem jeder nur einen Teil sieht,
je nach dem Blickwinkel des Betrachters:
Wer über den Baum fliegt, sieht nur das Laub,
Vielleicht auch Früchte und Blüten, je nach Jahreszeit,
Wer unter der Erde lebt, weiß mehr über seine Wurzeln
Wer an seinem Stamm lehnt, erkennt ihn
Am Gefühl im Rücken.

Wer aus einer bestimmten Himmelsrichtung sieht, erblickt Dinge, zu denen diejenigen,
Die aus der gegenüberliegenden Richtung auf ihn schauen, keinen Zugang haben.
Einige Privilegierte werden das Geheimnis zwischen Rinde und Holz wahrnehmen,
Und andere das intime Wissen über den Kern des Baums,
Aber wie oberflächlich oder intim die Wahrnehmung eines jeden sein mag,
Niemand hat einen Blickwinkel der es ihm ermöglicht, alles wahrzunehmen,
Es sei denn man wird selbst zu diesem göttlichen Baum!
Aber ist man dann noch Mensch?
Mögen alle Theater der Welt sich tolerieren und akzeptieren
Um den weltweiten Zielen des ITI zu dienen
Damit es zu seinem 70. Geburtstag
Mehr Frieden gebe auf der Welt,
Mit starker Teilnahme des Theaters.

 

Theater Rudolstadt. derzeit Baustelle

Die Bauarbeiten am Theater Rudolstadt laufen derzeit in allen Bereichen auf Hochtouren, wie Ostthüringer Zeitung berichtet:

Wie so oft, wenn mit dem Bauen begonnen wird, bleiben Überraschungen nicht aus. „Am Haus Boucher wurde ein Schädlingsbefall an der Westseite festgestellt“, informierte jetzt Verwaltungsdirektor Mathias Moersch. „Wie immer in so einem Fall muss ein Holzschutzgutachten erstellt werden. Teile der Wand müssen erneuert werden. Das bedeutet: Die Baumaßnahme dauert länger und wird auch teurer“, so der Mann der Zahlen am Haus.

Unterdessen haben auch im Großen Haus die Handwerker Einzug gehalten. Das  Gebäude wird mit dem Umbau seine bisherige Optik verlieren. Um den alten Baukörper herum wird ein Umfassungsbau entstehen. Die Fassade wird sich als moderner Bau mit ­klaren Fronten und breiten Glastüren zeigen. Der Eingangsbereich mit dem Vorbau kommt weg. Der Bühneneingang wird auf die Seite in Richtung Schminkkasten verlegt. Auch der Theatervorplatz wird in Abstimmung mit der Stadt völlig neu gestaltet.

Insgesamt stehen für den Umbau rund 9,5 Millionen Euro zur Verfügung. Darin enthalten sind die 1,5 Millionen Euro für den Umbau des Stadthauses, Gelder für die Gestaltung des Theatervorplatzes und für die Sanierung der Dächer am Schminkkasten und am Haus „Boucher“.

„Unser Ziel ist es nach wie vor, die Arbeiten am 31. Dezember 2019 abzuschließen“, so der Verwaltungsdirektor, der darauf verweist, dass die Arbeit unter den gegebenen Umständen eine große Herausforderung für die Mitarbeiter des Hauses ist.

mehr Infos

Theaterbausammlung nun vollständig online verfügbar

 

Liebe theater- und sammlungsbegeisterte KollegInnen und Freunde des Studiengangs,

Pünktlich zu Beginn des Europäischen Kulturerbe-Jahres 2018 geht die Theaterbausammlung der TU Berlin mit über 5000 Objekten online. Das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanzierte Kooperationsprojekt zwischen der TU Berlin und der Beuth Hochschule hat sein Ziel – die Erschließung und Digitalisierung der Theaterbausammlung der TU Berlin – nach zwei Jahren erfolgreich erreicht.

Die Sammlung beherbergt gut erhaltene Archivalien aus dem Zeitraum 1939 bis 1969 zu mehr als 500 Theaterbauten schwerpunktmäßig in Deutschland, Österreich, Frankreich, Slowenien, Polen, Tschechische Republik und Russland. Die bildlichen Materialien – Grundrisse, Schnitte, Fotografien und Schriftdokumente – geben einen einzigartigen Überblick des Zustands mitteleuropäischer Kulturbauten in der Mitte des 20. Jahrhunderts: Einerseits bildet die Sammlung eine Bestandsaufnahme der visionären Entwicklungen der 20er und 30er Jahre, andererseits dokumentieren die Objekte sowohl Stagnation als auch Rückbau während des Dritten Reichs von 1933 bis 1945. Zugleich gibt die Sammlung wertvolle Einblicke in die Visionen des architektonischen Aufbruchs der Nachkriegsmoderne bis in die 60er und 70er Jahre.

Die Sammlung ist ab sofort vollständig über die Onlinedatenbank des Architekturmuseums der TU Berlin für die Wissenschaft und eine breite Öffentlichkeit frei zugänglich und leistet damit schon jetzt einen wertvollen Beitrag zum Erhalt und zur Sichtbarmachung kulturellen (Theater)Erbes in Europa.

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Bri Newesely, Dr. Hans-Dieter Nägelke, Prof. Kerstin Laube, Franziska Ritter und Team

Projektseiten
http://www.tu-buehnenbild.de/forschung/theaterbausammlung/
https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=610

Projekt-Team
Architekturmuseum TU Berlin – Dr. Hans-Dieter Nägelke
FG Theatertechnik Beuth HS Berlin – Prof. Dr. Bri Newesely
Bühnenbild_Szenischer Raum TU Berlin – Projektleitung: Franziska Ritter
Studentische Hilfskräfte: Robert Huth, Julia Kleinschmidt, Birte Dördelmann

(c) Fotos: Franziska Ritter