Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins 2017

 

 

 

 

PRESSEMITTEILUNG

Jahreshauptversammlung am 9. und 10. Juni 2017 in Dresden –
Bühnenverein berät über Umgang mit Rechtspopulismus und plant Modernisierung der Verbandsarbeit

Am 9. und 10. Juni 2017 tagt die Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins in Dresden. Im Kraftwerk Mitte treffen sich rund 250 IntendantInnen, VerwaltungsdirektorInnen und KulturpolitikerInnen der deutschen Theater und Orchester. Die Tagung findet zum ersten Mal unter der Leitung des neuen Führungsduos Ulrich Khuon und Marc Grandmontagne statt, das seit Januar 2017 im Amt ist. Der Umgang mit Rechtspopulismus und rechtsnationalen Parteien ist ein thematischer Schwerpunkt. „In einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen und Zerrissenheit wird der kulturelle Austausch immer wichtiger“, sagte Bühnenvereinspräsident Ulrich Khuon heute in Köln. „Theater und Orchester engagieren sich bereits sehr stark dafür. Wir wollen in Dresden darüber sprechen, wie wir nachhaltig in unsere Demokratie hineinwirken können.“ Am Samstag, dem 10. Juni 2017, findet um 11.30 Uhr im tjg. theater junge generation daher die öffentliche Podiumsdiskussion „Wir müssen reden! – Das Fremde und das Eigene“ statt.

Auf der Tagesordnung stehen auch die zukünftigen Aufgaben des Verbands und eine Modernisierung der Strukturen. „Wir wollen eine Stärkung der Kulturpolitik. Wir wissen aber auch, dass die Kultur sich genau wie andere Bereiche einem stetigen Aushandlungsprozess stellen muss. Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts hat andere kulturelle Bedürfnisse als vor 30 Jahren. Diese bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die einzelnen Theater und Orchester, auf die gesamte Kulturlandschaft und damit auch auf Verbände“, erläuterte Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Bühnenvereins. „Der Bühnenverein will seine Ziele neu definieren, sein Denken und Handeln modernisieren und mehr Allianzen mit anderen Kulturbereichen und -institutionen schließen.“ Der Verband beginnt zurzeit einen Klärungsprozess im Inneren, der ihn die nächsten Monate und Jahre beschäftigen wird.

Auch aktuelle kulturpolitische Themen werden auf der Tagung diskutiert. Eröffnet wird die Jahreshauptversammlung am 9. Juni 2017 vom Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Dr. Eva-Maria Stange, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, und Bühnenvereinspräsident Ulrich Khuon. Die Tagungsergebnisse werden am Ende der Veranstaltung in einer Pressekonferenz veröffentlicht. Der Ort der Jahreshauptversammlung wechselt jedes Jahr. Der Bühnenverein tagt zum zweiten Mal in Dresden, im Jahr 2005 war das Staatsschauspiel Dresden Gastgeber.

Wettbewerb „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland 2017“ startet

Wettbewerb „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland 2017“ startet

Heute geht der Wettbewerb „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“ in die achte Runde. Der Wettbewerb richtet sich an alle Kreativen, die mit einer außergewöhnlichen kulturellen oder kreativen Geschäftsidee unternehmerisch tätig werden wollen oder es bereits sind. Das Programm ist Bestandteil der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung.

Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries sagt: „In den vergangenen sieben Jahren haben wir 224 Kreativunternehmen mit dem Titel „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“ ausgezeichnet. Ich freue mich besonders, dass wir mit unserem Gründerwettbewerb Innovationen der Kreativwirtschaft in ganz unterschiedlichen Branchen fördern: von Therapie-Apps für chronisch erkrankte Kinder über Mode speziell für Kleinwüchsige bis zu modernem interaktiven Theater. Bei dem Wettbewerb geht es um mehr als eine Auszeichnung für die Bewerber – es ist auch ein Gewinn für eine gut vernetzte deutsche Wirtschaft.“

Der Wettbewerb hat in den vergangenen Jahren hohe Bedeutung für Selbständige sowie Klein- und Kleinstunter- nehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft erlangt. Denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten ein einjähriges Mentoring und werden Teil eines großen Netzwerks, das ihnen bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle auch über das erste Jahr hinaus hilft. Insgesamt werden 32 Unternehmerinnen und Unternehmer von einer Jury ausgewählt und ausgezeichnet.

Alle Interessierten können sich bis zum 30. Juni 2017 mit der Beschreibung ihrer Idee, einer Darlegung der Motivation sowie einem Lebenslauf bzw. Informationen zum Team für den „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“ des Jahres 2017 bewerben. Weitere Informationen zum Wettbewerb und zur Bewerbung sind abrufbar unter: www.kultur-kreativpiloten.de.

Bühnenverein fordert angesichts der zu erwartenden Steuermehreinnahmen Stärkung der Kulturpolitik vor Ort – Wachsender Widerspruch zwischen steigenden Erwartungen und mangelnder Handlungsfähigkeit

PRESSEMITTEILUNG

Bühnenverein fordert angesichts der zu erwartenden Steuermehreinnahmen Stärkung der Kulturpolitik vor Ort – Wachsender Widerspruch zwischen steigenden Erwartungen und mangelnder Handlungsfähigkeit

Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins, sieht einen wachsenden Widerspruch zwischen steigenden Erwartungen an die Theater und Orchester einerseits und der gleichzeitigen Marginalisierung von Kulturpolitik andererseits: „Ob es Flüchtlinge in unseren Städten sind, ob es um kulturelle Teilhabe von Kindern und Jugendlichen oder Projekte in sozial schwierigen Stadtteilen geht – die Theater engagieren sich landesweit in allen Bereichen. Trotzdem korrespondiert eine solche Rollenveränderung nicht mit entsprechender kulturpolitischer Aufwertung. So manches Theater kämpft damit, Tarifsteigerungen an sein künstlerisches Personal  weitergeben zu können. Angesichts von zu erwartenden 54 Milliarden Steuermehreinnahmen in den nächsten Jahren fordern wir hier entschiedenes Gegensteuern.“

Stadtgesellschaften unterliegen einem massiven Wandel, der für alle Beteiligten mit neuen Herausforderungen einhergeht. Migration, wachsende soziale Ungleichheit, Populismus und kulturelle Differenzen verursachen neue Konflikte und erfordern deshalb andere Herangehensweisen von Institutionen etwa aus den Bereichen Bildung, Kultur, Kinder und Jugend, Soziales und Sport. Theater und Orchester sind sich als unverzichtbare kulturpolitische Akteure einer offenen Stadtgesellschaft ihrer Verantwortung bewusst, nicht nur akut in ihre jeweiligen Städte zu wirken, sondern auch langfristig kulturelle Visionen zu entwickeln, die unsere Gesellschaft benötigt. Davon zeugen schon heute die vielfältigen Programme des Kinder- und Jugendtheaters sowie viele Projekte in den Bereichen Vermittlung und kulturelle Bildung.

Holger Schultze, Intendant des Theaters Heidelberg und Vorsitzender des Ausschusses für künstlerische Fragen im Deutschen Bühnenverein, unterstrich bei der Ausschuss-Sitzung am 15. und 16. Mai 2017 in Heidelberg: „Diese Verantwortungsübernahme kann allerdings nur gewährleistet werden, wenn Theater in der Lage sind, gute Arbeitsbedingungen sicherzustellen. Das wird immer mehr zu einer Herausforderung, weil die finanziellen Spielräume zunehmend kleiner werden. Daher ist es höchste Zeit, dass die öffentliche Hand angesichts voller Steuerkassen den schleichenden Finanzabbau an den Theatern beendet.“

Köln, 17. Mai 2017

Erstmals Mindestgage für Gastverträge an deutschen Theatern

8. Mai 2017

GEMEINSAME PRESSEERKLÄRUNG VON GDBA, VdO und BÜHNENVEREIN

Erstmals Mindestgage für Gastverträge an deutschen Theatern

Für die Beschäftigten an deutschen Theatern wird es ab Oktober 2017 Tarifregelungen geben, die erstmals Mindestgagen bei Gastverträgen für Vorstellungen und für Proben vorsehen. Über die für Gastverträge geltenden Regelungen haben sich am 2. Mai 2017 die Künstlergewerkschaften Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) und die Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer e. V. (VdO) mit dem Deutschen Bühnenverein als Arbeitgeberverband bei ihren Manteltarifverhandlungen geeinigt.

Im Einzelnen beinhalten die getroffenen Vergütungsregelungen eine Mindestgage von 200 Euro pro Vorstellung – für die Übernahme kleiner Rollen oder Partien ist eine Abweichung von bis zu 25 Prozent möglich. Darüber hinaus wurde eine Probengage von mindestens 90 Euro für volle Probentage vereinbart, für halbe Probentage fallen 60 Euro an. Die Mindestgage für Doppelvorstellungen beträgt 150 Prozent der Mindestgage für eine Einzelvorstellung.

Außerdem wurden die Anspruchsvoraussetzungen für die Zahlung einer Zuwendung – also Urlaubs- und Weihnachtsgeld – wesentlich verbessert. Anders als nach der gegenwärtigen Regelung können nun Beschäftigungsmonate aus zwei Spielzeiten zusammengerechnet werden, um die nötige Anspruchs-Voraussetzung von neun Monaten Beschäftigungszeit an derselben Bühne zu erfüllen. Bisher mussten diese neun Monate Beschäftigung in einer Spielzeit erbracht werden, um eine Zuwendung zu erhalten.

Schließlich konnten sich die Tarifparteien auf eine Regelung verständigen, die künftig Rechtssicherheit für Befristungen von auf der Basis des Tarifvertrags NV Bühne abgeschlossenen Arbeitsverträgen schafft. Hierbei geht es insbesondere um Krankheits- und Elternzeitvertretungen.

Der Vereinbarung müssen die Gremien der Tarifparteien noch zustimmen.

Kontakt:
Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA)
Jörg Löwer, Präsident der GDBA
Tel. +49 (0)40-4328244-0 • Fax +49 (0)40-4328244-28

Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer e. V. – (VdO)
Tobias Könemann, Geschäftsführer der VdO
Tel. +49 (0)221-272689-40 • Fax +49 (0)221-272689-41

Deutscher Bühnenverein – Bundesverband der Theater und Orchester
Vera Scory-Engels, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +49 (0)221-20812-27 • Fax +49 (0)221-20812-28

“Himmlisches Theater” in Neuzelle

Nahe der polnischen Grenze, knapp 40 km südlich von Frankfurt (Oder) liegt Neuzelle. Im Jahr 2018 feiert das dortige Kloster Neuzelle sein 750-jähriges Jubiläum.

Warum ist das für Theatertechniker interessant?

Kloster Neuzelle, “Himmlisches Theater”, Kreuztragung, Fotograf: Bernd Geller

Weil dieses Kloster über einen ganz besonderen „Schatz“ verfügt, der besichtigt werden kann: dreidimensionale Szenenbilder aus dem 18. Jahrhundert, die in Neuzelle zur Aufführung von Passionsspielen genutzt wurden.
Der böhmische Künstler Joseph Felix Seifrit wurde im Jahr 1751 mit ihrer Herstellung beauftragt.

1997 entdeckte Walter Ederer (heute Direktor für Marketing und Kultur der Stiftung Stift Neuzelle) die Kunstwerke zufällig im Kirchturm der Klosterkirche –in einem bedauernswerten Zustand, verschmutzt und mit Wasserschäden. Die Klosterstiftung erkannte trotzdem schnell den Wert der Kulissen, recherchierte ihre Geschichte und setzt sich seither mit großem Engagement für deren Restaurierung ein. Sowohl von ihrem Umfang, als auch von ihrer Größe und künstlerischen Qualität gelten diese Szenenbilder als europaweit einzigartig.

Im März 2015 wurde ein eigens auf dem Klostergelände hierfür errichtetes Museum „Himmlisches Theater“ eröffnet. Hier sind zwei bereits vollständig restaurierte Szenenbilder zu erleben: die Szenen vom Judaskuss und der Kreuztragung . Die weiteren Szenen werden in Form von Fotografien präsentiert und werden nach ihrer Restaurierung ebenfalls nach und nach im Museum Einzug halten.

Kloster Neuzelle, “Himmlisches Theater”, Judaskuss, Detailaufnahme, Fotograf: Bernd Geller

Rudolstadt: Sanierung startet im Herbst

Das Theater Rudolstadt, dessen Spielbetrieb im Großen Haus am 31.12.2016 eingestellt werden musste, wird ab September mit der Sanierungsphase beginnen, die voraussichtlich zwei Jahre dauern wird.

Derzeit laufen die Untersuchungen, Planungen und Ausschreibungen.

Insgesamt sind 9,5 Millionen Euro dafür eingeplant.

weitere Infos hier

Welttheatertag 2017

Die französische Film- und Theaterschauspielerin Isabelle Huppert ist Botschafterin zum Welttheatertag 2017. In ihrer Rede zum 27. März ging sie auch auf den Gemeinschaft stiftenden, Grenzen überwindenden, zusammenführenden Charakter von Theater ein. Der Welttheatertag wird seit 1962 begangen, um die Bedeutung und Wirkung der Bühnenkunst im gesellschaftlichen Kontext zu betonen.

Seit nunmehr 55 Jahren findet jedes Frühjahr ein Welttheatertag statt. Ein Tag, das heißt  24 Stunden, die in der Heimat des No und des Bunraku beginnen, dann zur Peking Oper und dem Kathakali überwechseln, sich in Griechenland und Skandinavien bei Aischylos und Ibsen verspäten, zwischen England und Italien  pendeln, von Sarah Kaine zu Pirandello, unter anderen Ländern auch über Frankreich ziehen, auch dort wo wir uns befinden, über Paris, der Stadt, welche immerhin die meisten ausländischen Theatertruppen auftreten lässt.

Die 24 Stunden führen uns von Frankreich nach Russland, von Racine und Molière zu Tschechow, sie überqueren den Atlantik, um schließlich auf einem Universitätscampus in Kalifornien zu landen, wo junge Leute das Theater wiedererfinden, vielleicht. Immer wieder wird das Theater aus seiner Asche geboren. Es besteht ja aus Absprachen, die man immer wieder abschaffen kann. So bleibt es lebendig. Das Theater ist wild wucherndes Leben, das Zeit und Raum herausfordert, die zeitgenössischsten der Stücke nähren sich von vergangenen Jahrhunderten und das klassischste Repertoire wird modern, jedes Mal ,wenn man es neu inszeniert.

Der Welttheatertag ist kein Tag im banalen Alltagssinn. Er lässt ein immenses Raum-Zeit-Kontinuum  wiedererstehen, und um dieses Raum-Zeit-Kontinuum zu evozieren, möchte ich auf einen ebenso diskreten wie genialen Dramatiker verweisen, auf Jean Tardieu. Ich zitiere: „Für den Raum fragt er nach dem längsten Weg zwischen einem Punkt und einem anderen… Für die Zeit schlägt er vor, in Zehntelsekunden die notwendige Zeitspanne zu messen, um das Wort “Ewigkeit” auszusprechen.”  Zum Raum-Zeit-Kontinuum sagt er auch: „Fixiert beim zwei beliebige Punkte im Raum und berechnet  die Zeit, um im Traum von einem zum anderen zu gelangen. “ Ich bestehe auf den Worten „im Traum“. Es ist, als wären sich Jean Tardieu und Bob Wilson begegnet. Man könnte den Welttheatertag mit den Worten zusammenfassen, die Samuel Beckett in gewohnter Kürze und Bündigkeit Winnie  in dem Mund legt: „Oh, welch glücklicher Tag wird heute gewesen sein.“ Beim Nachdenken über diese Botschaft, um die man mich gebeten hat, habe ich mich an all solche Träume in all solchen Szenen erinnert. Ich komme ja nicht allein in diesen Saal der UNESCO, alle Figuren, die ich auf der Bühne dargestellt habe, begleiten mich. Rollen, aus denen man augenscheinlich schlüpft, wenn das Stück zu Ende ist, die aber in einem selbst weiter ein unterirdisches Leben führen, immer dazu bereit die Rollen die auf sie folgen zu befördern oder zu zerstören: Phèdre, Araminte, Orlando, Hedda Gabler, Medea, Merteuil, Blanche Dubois… Es begleiten mich auch die Figuren, die ich als  Zuschauerin geliebt  und denen ich Beifall gespendet habe. Und darin gehöre ich zur ganzen Welt: Ich bin Griechin, Afrikanerin, Syrerin, Venezianerin, Russin, Brasilianerin, Perserin, Römerin, Japanerin, Marseillerin, New Yorkerin, Philippinin, Argentinierin, Norwegerin, Koreanerin, Deutsche, Österreicherin, Engländerin,  die ganze Welt. Die wirkliche Globalisierung findet hier statt.

1964, anlässlich des Welttheatertags, kündigte Laurence Olivier an, dass nach einem Jahrhundert des Kampfes in England endlich ein Nationaltheater geschaffen wurde, von dem er wollte, dass es sofort zum internationalen Theater würde, zumindest in seinen Spielplänen. Er wusste, dass Shakespeare jedem in dieser Welt gehört.

Ich nehme gern zur Kenntnis, dass die erste Botschaft dieser Welttheatertage Jean Cocteau anvertraut wurde, der ja besonders dazu bestimmt war, als Autor einer „Weltumrundung in 80 Tagen“. Ich habe auf meine Art eine solche Weltumrundung gemacht, mit 80 Theaterstücken oder  80 Filmen. Ich spreche auch von Filmen,  denn ich mache keinen Unterschied zwischen der Schauspielerarbeit im Theater und im Film, es überrascht wenn ich das sage, aber es ist wahr, es ist so. Kein Unterschied.

Wenn ich hier spreche, bin ich nicht ich selbst, ich bin keine Schauspielerin, ich bin nur eine von vielen Menschen dank derer das  Theater weiter besteht. Das ist ein wenig unsere Pflicht. Und es ist unsere Notwendigkeit. Wie soll man  sagen: wir sind es nicht, die das Theater existieren lassen, wir existieren dank des Theaters. Das Theater ist stark, es leistet Widerstand, es überlebt alles, Kriege, Zensur, Geldmangel. Es genügt, wenn man sagt: „der Dekor ist die leere Bühne, die Zeit ist unbestimmt, und lässt dann einen Schauspieler auftreten. Oder eine Schauspielerin. Was wird er tun? Was wird sie sagen? Werden sie sprechen? Das Publikum wartet, es wird es bald wissen, das Publikum, ohne das es kein Theater gibt. Das darf man nie vergessen. Eine einzige Person im Zuschauerraum gibt schon ein Publikum her… Aber bitte nicht zu viele leere Stühle!  Außer bei den „Stühlen“ von Ionesco…. Da sagt die Alte zum Schluss: „ Ja, ja sterben wir mitten im Ruhm… Sterben wir, um zur Legende zu werden… Haben wir zumindest unsere Straße…“

Der Welttheatertag existiert seit 55 Jahren. In diesen 55 Jahren bin ich die achte Frau, die man um eine Botschaft bittet, ich weiß auch nicht ob das Wort „Botschaft“ zutreffend ist. Meine Vorgänger –hier im gebräuchlichen Maskulinum- sprechen beim Thema Theater von Phantasie, Freiheit, vom Ursprung,  reden vom Multikulturellen, von Schönheit, von Fragen ohne Antworten… 2013, also vor nur vier Jahren, sagte Dario Fo: „Der einzige Ausweg aus der Krise besteht in der einer großen Hexenjagd auf uns, besonders auf die Jugend, die die Theaterkunst erlernen will: so wird daraus eine Diaspora von Schauspielern, die aus diesem Zwang unvorstellbaren Nutzen für eine neue Darstellungskunst ziehen“ Unvorstellbarer Nutzen, eine schöne Formel für ein politisches Programm, nicht wahr?… Und weil ich mich in Paris befinde, kurz vor einer Präsidentschaftswahl, schlage ich denen, die darauf aus sind, uns zu regieren,  vor, auf den unvorstellbaren Nutzen des Theaters zu achten. Aber keine Hexenjagd!

Theater, das ist der andere, ist Dialog, ist Abwesenheit von Hass. Was Völkerfreundschaft bedeutet, weiß ich nicht so recht, aber ich glaube an die Gemeinschaft der Zuschauer und der Schauspieler, im Bund mit allen, die das Theater vereint, diejenigen die schreiben, diejenigen die übersetzen, die Beleuchter, Ankleider. die Dekorateure, die Interpreten, diejenigen, die machen, diejenigen die hingehen. Der Theater schützt uns, ist uns Herberge… Ich glaube, dass es uns liebt … genauso wie wir es lieben… Ich erinnere mich an einen Bühnenmeister vom alten Schlag, der jeden Abend, bevor der Vorhang aufging, in der Kulisse mit fester Stimme sagte: „Platz dem Theater!“

Damit möchte ich schließen. Danke.

St. Gallen: nicht kleckern…klotzen

Photo: Andreas Praefcke

St. Gallen kann auf eine mehr als 200jährige Theatergeschichte zurückblicken. Was in einer Remise begann wurde 1968 durch einen Neubau des Architekten Claude Paillard ersetzt.

Doch inzwischen ist das lange her.
Zeit für eine Sanierung.
Die Stadt St.Gallen hat sich nun nicht für eine “Salamitaktik” entschieden, sondern will die Generallösung und rechnent mit knapp 48 Millionen Franken.

Für zwei Jahre soll eine temporäre Spielstätte entstehen, damit die Sanierungsarbeiten zügig voranschreiten können.

Das Schweizer Tageblatt berichtet ausführlich hier..

Gummersbach: kein Geld für ein neues Theater

Das Theater in Gummersbach wird derzeit nur mit einer Ausnahmegenehemigung, die bis zum Ende der Spiezeit 2018 gilt, betrieben. Dann ist Schluss. Das Haus ist technisch am Ende.

 Nun liegt eine Machbarkeitsstudie für den Neubau eines Theaters mit 550 Plätzen vor. Damit hätte die Kreisstadt auch für die Zukunft ein kulturelles Zentrum. Doch die Kosten von 29 Millionen sind der Stadt zu teuer. Deshalb wird es den Naubau nicht geben. Die Stadt muss für ihre Entschuldung sorgen. Das Land oder gar der Bund springen bisher nicht bei. Und so kann es sein, dass Gummersbach zwar irgendwann seine Schulden abgebaut hat (die nicht durch die Kultur verursacht wurden!), aber dafür keinen öffentlichen Ort mehr besitzen wird, an dem die darstellenden Künste ein Zuhause haben.

Ist das Kulturpolitik?

Schauspielhaus Linz kurz vor der Wiedereröffnung


Am 1. April wird das für rund 9 Millionen Euro sanierte Schauspielhaus in Linz wiedeeröffnet.

Dabei wurde der Originalzustand aus dem Jahr 1958 weitgehend wieder hergestellt, zumindest optisch. Technisch wurde das Haus grundlegend saniert. Dabei wurde allerdings die Platzkapazität von 600 auf 500 reduziert.

Eröffnungsinszenierung ist Shakespeares STURM.